Geschichte Squashweltrekord (aus der Sicht von Gerald Binder)
Pünktlich um 17 Uhr gab der
Tourismus Direktor von Gmunden den Startschuss zum Squashweltrekord Versuch, 24
Stunden im Dauerspielen.
Die Regeln : für jede durchgespielte Stunde, 5 Minuten
Pause, spielen wir aber unter einer Stunde (zb.55 Minuten) würde uns keine
Pause gutgeschrieben, und die Zeit beginnt wieder bei Null. Also wenn man
innerhalb einer Stunde auf das Wc muss, hast Pech
gehabt.
Anwesend mussten immer sein:
Steward 1 (Schiedsrichterprotokolle führen und schiedsrichtern)
Steward 2 (stoppen der Pausenzeiten, Protokolle über den gesamten Spielverlauf
führen
Medizin (Anwesenheit)
Zeuge (Anwesenheit)
Los ging es, jetzt würde sich zeigen ob sich das Ausdauertraining, viele
Stunden auf dem Rennrad und auf der Lauftrecke gelohnt hatten.
Der erste Ballwechsel hat es dann aber in sich, aufgepumpt von einem Mix aus
Motivation Ehrgeiz und den vielen Zuschauern, dauerte dieser 2 Minuten. Da
stellte ich Rehan die Frage ob wir so weitermachen wollten. In seinen Augen
konnte ich so etwas wie, war das zu kurz lesen. Ich musste ihn dann schon
darauf aufmerksam machen dass wir noch 23 Stunden und 57 Minuten vor uns
hatten. Beim nächsten Ballwechsel sahen wir uns bei einer Let Entscheidung mit
Schiedsrichter Markus Blum konfrontiert, der in den Court kam und uns befragte
ob wir so weitermachen wollen, denn dann wären wir nach 5 Stunden tot.
Im Nebencourt hatte Christian Pichler seine Zelte aufgeschlagen, der den
Weltrekord im 24 Stunden Dauermassieren brechen wollte Beginn ebenfalls 17 Uhr.
Vor dem Court des Masseurs hatte sich Wolfgang Staudinger eine Matte aufgelegt,
dieser Verrückte hatte vor 24 Stunden Liegestütze zu pumpen.
Es dauert einige Zeit bis wir unseren Rhythmus gefunden hatten. Die Marschroute
hatten wir so angesetzt. 2 Stunden spielen, dafür 10 Minuten Pause bekommen,
aber nur 3-4 Minuten davon nehmen. Dieses Vorhaben konnten wir für die ersten 6
Stunden locker einhalten. Wir wollten ja für die schwere Zeit in der Nacht oder
Vormittag am nächsten Tag genügend Zeit auf dem Pausenkonto haben um uns zu
erholen. Nach den 6 Stunden änderten wir den Rhythmus auf eine Stunde
Spielzeit, 2-3 Minuten Pausenzeit nehmen. In der (sehr) kurzen Pause konnte wir
nur schnell unsere Bedürfnisse wie Essen, Trinken, Wc, befriedigen, Erholung
Fehlanzeige.
Ich hatte mir 40 Liter Trinken (isotonische Drinks, Mineralwasser
hochkalorische Drinks) und ca 15.000 Kcal zu Essen (Bananen, Riegel Gebäck)
bereitgestellt. Das Vorhaben 700 Kalorien in Form von Trinken ( 1,2 Liter
/Stunde) und Essen zu mir zu nehmen, musste ich nach ca. 3 Stunden einstellen,
weil das war zu viel und mir war schon ganz schön übel. Auch bei Trinken und
Essen mussten wir unseren Rhythmus erst finden, aber das klappte dann schon
ganz gut.
Irgendwie hatten wir eine Menge Spaß im Court und die ersten Stunden vergingen
wie im Flug. Der Verrückte Liegestütz Typ pumpte noch immer, unglaublich. Die
Pulsbelastung bewegte sich bei mir so um die 130 im Schnitt, bei Rehan
geringfügig darunter. Die Nacht ging an uns anscheinend spurlos vorüber. Eng
wurde es das erste Mal um ca. 8.00 Uhr, das sehnten wir schon die lange Pause
mit den eingesparten Minuten (28) herbei , die wir
dann schließlich um 8.30 nahmen. Jetzt war Essen, aber was Richtiges ( Spaghetti) gefragt, eine Massage beim Masseur tat uns
ebenfalls sehr gut, aber 28 Minuten können sehr kurz sein. Und weiter ging's im
Programm, wir standen schon wieder im Court, immerhin waren es ja "nur
mehr" 10 Stunden und wir fühlten abgesehen von kleineren Blessuren immer
noch überraschend gut!
Nach ca.18 Stunden, also 8 1/4 stunden vor Schluss taten Rehan, dem armen Kerl
die Füße so weh und so komisch rote Augen hatte er auch schon, so als hätte
geweint. Körperlich fühlte ich mich noch erstaunlich (dem Training sei Dank)
sehr gut, ich hatte nur das Problem das mein Körper nicht mehr schwitzte, und
ich dadurch immer einen sehr starken Harndrang hatte. Rehan kämpfte mit seinem
Puls, der irgendwie nicht mehr in die Höhe gehen wollte, obwohl wir beide
liefen kam er über 110 nicht hinaus.
Die Pausen nahmen wir jetzt jede Stunde die vollen 5 Minuten, die wir förmlich
herbeisehnten. Spätestens jetzt machte sich in meinem Kopf der Gedanke breit
ich habe keine Lust mehr, wie sollten da die letzten 7 Stunden noch geschafft
werden. Da passierte etwas wunderbares, ich sagte zu Rehan mich kannst du
vergessen ich hör jetzt auf, da sagt doch dieser verdammte harte Hund: wenn du
das machst, bekommst Du ein Problem mit mir. Ab diesem Zeitpunkt war alles
klar, ich körperlich noch besser in Schuss als er, wollte alles hinschmeißen, das
konnte nicht sein. Und außerdem pumpte dieser Verrückte immer noch seine
Liegestütze vor unserm Court und seine Hand war eine einzige Blase immerhin
hatte er schon 25.000 Liegestütze gemacht. Ich dachte mir, was bin ich doch für
eine Memme.
Und so schafften wir auch die letzten Stunden, aber ich kann euch sagen es war
sehr hart, und so was mach ich nicht so schnell wieder, der Rehan würde sagen,
nicht diese Woche. Die letzte Stunde hatte es dann noch so richtig in sich,
weil da will doch der Rehan noch alles aus seinem Körper rausholen und macht
noch so richtig Druck und will noch für das Publikum spielen, da kann ich
natürlich nicht nein sagen, und wir geben noch alles.
Aber froh bin ich schon das es vorbei ist, und wir beim herausgehen die Musik
"We are the Champions" hören ist alles gut!
Danke an alle Helfer,insbesondere an meinen Partner
Rehan van der Merwe
Gerald Binder